Beatrix Gerstberger: Keine Zeit zum Abschiednehmen

Erfahrungen und Erlebnisse: Auto- und sonstige Biographien

Beatrix Gerstberger: Keine Zeit zum Abschiednehmen

Beitragvon Tirah » 24.08.2011 08:55

Beatrix Gerstberger: Keine Zeit zum Abschiednehmen

Weiterleben nach seinem Tod



Klappentext:
"Ich war fünfunddreißig Jahre alt, im sechsten Monat schwanger, als mein Freund Gabriel Grüner am 13.Juni 1999 zusammen mit dem Fotografen Volker Krämer und dem Dolmetscher Senol Alit im Kosovo erschossen wurde. Jemand, der Gabriel und mich nie zuvor gesehen hatte, hatte meine, unsere Zukunft ausgelöscht."

Wie überlebt eine junge Frau den Verlust desjenigen, den sie am meisten geliebt hat? Woher nimmt sie die Kraft, jeden Tag, jede Minute gegen die Verzweiflung und die Wut anzukämpfen? Wann akzeptiert sie, daß nichts wieder wie vorher sein wird? Und wie soll sie später alles ihrem Sohn erklären?
Die Journalistin Beatrix Gerstberger beschreibt eindringlich, wie sie die ersten drei Jahre nach dem Tod ihres Freundes bewältigte - und das Unbegreifliche überlebte. Darüber hinaus befragte sie andere junge Witwen, wie sie die plötzliche Zerstörung ihrer Welt überstanden haben.


Beurteilung:
Als die Autorin ihren Freund verlor, verlor sie für lange Zeit auch sich selbst und suchte schließlich in der Literatur nach Hinweisen, daß es auch nach der Trauer weitergeht. Da sie kein solches spezielles Buch fand, schrieb sie es schließlich selbst. Vier Jahre nach dem Tod Gabriel Grüners erschien dieses Buch, in dem Beatrix Gerstberger von ihrer eigenen Trauer erzählt und auch mit anderen jungen Witwen sprach, unter anderem mit zwei Frauen, deren Ehemänner in den Twin Towers ums Leben kamen.
Es ist ein berührendes Buch und jede der sieben Erzählungen ist zwar unterschiedlich gewichtet, zeigt jedoch den Hoffnungsschimmer auf, daß man auch mit und nach der Trauer weiterleben kann.
Interessant fand ich den Ansatzpunkt der Autorin, daß sie nur Frauen interviewt hat, da Männer anders trauern würden; ihr ging es um den weiblichen Aspekt: wie verarbeitet eine Frau und Mutter den Tod des Partners, woher nimmt sie die Kraft, für ihre kleinen Kinder da zu sein?
Alle diese Frauen haben aus dieser Erfahrung Stärke gezogen und geben offen zu, ungeduldiger gegenüber ihren Mitmenschen geworden zu sein, zu banal erscheinen ihnen viele Dinge, über die gejammert wird.
"Keine Zeit zum Abschiednehmen" ist weder ein trockenes Sachbuch zur Trauerbewältigung noch Emanzipationsroman oder Biographie. Es soll in erster Linie eine Hilfe für Betroffene sein und einen Silberstreif am Horizont ahnen lassen.


Meine Wertung:
:buchwurm2,5:


Kategorie: Biographie / Sachbuch / Trauer
Taschenbuch
Ullstein
190 Seiten
ISBN 3548367089 bzw. 9783548367088
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My recurring fantasy about libraries is that at night, after everyone goes home, the books come to life and mingle in a fabulous cocktail party. (Neal Wyatt)
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